Freiwillige Feuerwehr

Stadt Ostfildern

RIMG0079Feuerwehr Ostfildern übt den Ernstfall

Beim Eintreffen der ersten Kräfte an diesem wolkenverhangenen Montagabend in der Riedstraße in Ostfildern Ruit tritt aus einem Anhängergespann eine grünliche Flüssigkeit aus, auf der Fahrbahn liegt eine Person, eine weitere macht mit wilden Armbewegungen auf sich aufmerksam. Dieses Szenario war der Auftakt für eine Gefahrgutübung der Feuerwehr Ostfildern, an der alle vier Abteilungen beteiligt waren. Nach erster Befragung erfuhr der Gruppenführer des LF 20 der Abteilung Ruit als Ersteinheit, dass bei Rangierarbeiten Ladung auf dem Anhänger verrutscht war, einen Arbeiter eingeklemmt hatte und einzelne Packstücke wohl beschädigt seien. Ein dem Eingeklemmten zu Hilfe eilender Kollege kippte am Anhänger, nach erfolglosem Versuch seinen Partner zu retten, bewusstlos um und liegen geblieben.

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Ziel der Übung, die von drei Kameraden der Abteilungen Nellingen und Ruit vorbereitet wurde, war es, die aktuelle Einsatzplanung zu überprüfen und nach Integration der Kameradinnen und Kameraden der Abteilung Scharnhausen die Zusammenarbeit zu üben. Die Übung entsprach einer Einsatzstufe der Größe „Gefahrgut 3“, verzichtet wurde allerdings auf den Einsatz des zuständigen Gefahrgutzugs der Feuerwehr Esslingen, da das Übungsziel nach Rettung der Betroffenen und Stabilisierung der Lage erreicht sein sollte. Weitere Maßnahmen, etwa umpumpen der leckgeschlagenen Behälter in Auffangbehälter, die von entsprechenden Kräften des Gefahrgutzugs ausgeführt werden, wurden nicht beübt.

RIMG0068Die Einsatzplanung für Gefahrguteinsätze in Ostfildern sieht ab der Stufe drei vier Maßnahmenbereiche vor, die zum Teil nacheinander und zum Teil parallel verlaufen. Nach Alarm- und Ausrückeordnung Ostfildern (AAO) stellt die nach Ausrückebereich betroffene Abteilung das Löschfahrzeug als Ersteinsatzkräfte. Diese haben die Aufgabe, nach der GAMS-Regel zu verfahren. Diese sieht vor, die Gefahr zu erkennen, Absperrungen im Radius von 100 Metern rund um die Einsatzstelle und 50 Meter rund um die Gefahrenstelle zu errichten, Menschenrettung durchführen und das Eintreffen der Spezialkräfte abzuwarten. Mit Spezialkräften sind hier die Verstärkungen aus Ostfildern sowie der zuständige Gefahrgutzug gemeint. Eine ergänzende Aufgabe der Erstkräfte ist der Aufbau des dreifachen Brandschutzes an der inneren Absperrung der Gefahrenstelle. Die weiteren Kräfte aus den anrückenden Abteilungen stellen die Mannschaft für die in Ostfildern vorhanden sechs Chemieschutzanzüge (CSA), die Mannschaft für den Aufbau und Betrieb des Grobreinigungsplatzes und die Mannschaft für den Messzug Ostfildern. In Ostfildern gibt es ca. 30 ausgebildete und jährlich fortgebildete CSA-Trägerinnen und Träger aus allen Abteilungen. An der Einsatzstelle wird für die Trägerinnen und Träger ein Ankleideplatz eingerichtet, an diesem sind alle Geräte und Ausrüstungsgegenstände abgelegt, um die Trupps ausrüsten zu können. Gekennzeichnet wird der Platz durch eine gelbe Plane. Betrieben wird der Ankleideplatz durch die Mannschaft des Rüstwagens 2. Diese Mannschaft ist auch für die Einrichtung einer Materialablage an der Absperrgrenze zuständig.RIMG0093

Der Grobreinigungsplatz wird am Übergang zur Absperrgrenze eingerichtet, Kern ist eine Dekontaminationsdusche, die verschlossen werden kann und eine Ausbreitung und Verschleppung verhindert. Nach der Dusche erfolgt eine Trennung in einen „schwarz-weiß Bereich“, durch entsprechende Planen und Absperrungen. Dort werden die grobgereinigten CSA-Träger entkleidet.

Die Mannschaft des Messzug Ostfilderns, mit Gerätewagen Messtechnik und ABC-Erkunderkraftwagen, ist zuständig für die messtechnische Überwachung der Einsatzstelle und der Umgebung, der Recherche relevanter Stoffdaten der Erfassung relevanter Umweltdaten und der Beratung der Einsatzleitung durch einen Fachberater Chemie des Landkreis Esslingen.

RIMG0126Die Übung zeigte nach erster Bewertung die Richtigkeit des Konzepts, wie es in Ostfildern aufgestellt wurde. Das Gefahrguteinsätze jedoch nicht alltäglich sind und einer weiteren konsequenten Ausbildung bedürfen wurde klar erkannt. Somit war die Übung ein erster wichtiger Schritt zur Bewältigung künftiger Gefahrgutszenarien in Ostfildern.

 

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